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Tschetschenien. Ein kurzer historischer Abriss

16 августа 2007
Die Wahrheit 252;ber den Krieg Tschetschenien (russisch Tschetschnja) ist ein vergleichsweise kleines Gebiet - etwa von der Größe Thüringens - und liegt an den Nordosthängen des Großen Kaukasus-Gebirgsrückens. Die tschetschenische Sprache zählt zum ostkaukasischen (nachisch-dagestanischen) Sprachzweig. Die Tschetschenen selbst nennen sich Nochtscho oder Nachtschi, die Bezeich­nung „Tschetschenen“ wurde - wahrscheinlich im 17. Jahr­hundert - von den Russen geprägt. Bis heute leben die Tschet­schenen in enger Nachbarschaft mit den Inguschen, einem Volk, das dem tschetschenischen sowohl von der Sprache (In­guschisch und Tschetschenisch stehen sich naher als Russisch und Ukrainisch) als auch von der Kultur her stark verwandt ist. Inguschen und Tschetschenen zusammen heißen Wainachen, was so viel bedeutet wie „unser Volk“. Die Tschetsche­nen bilden die größte autochthone Ethnie des Nordkaukasus.

Der Kenntnisstand über die frühe Geschichte Tschetsche­niens ist relativ vage, da nur wenig objektive Zeugnisse er­halten blieben. Im Mittelalter siedelten die Wainachen wie alle anderen Bewohner dieser Region an den Wanderrouten riesiger turk- und iranischsprachiger Nomadenstämme. Vom Mongolenherrscher Dschingis Khan und seinem Enkel Batu Khan unternommene Versuche, die Tschetschenen zu unter­werfen, blieben erfolglos, im Unterschied zu vielen anderen nordkaukasischen Völkern konnten sich die Tschetschenen allen Eroberern widersetzen und ihre Freiheit bis zum Unter­gang des mongolisch-tatarischen Reichs der Goldenen Horde bewahren.

Im Jahre 1588 begab sich die erste wainachische Gesandt­schaft nach Moskau, in dieser Zeit, der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, entstanden auf tschetschenischem Boden auch die ersten Kosakensiedlungen. Im 18. Jahrhundert stellte Russland in Tschetschenien ein eigenständiges Kosakenheer auf, das zu einer wichtigen Stütze bei der Durchsetzung der kolonialen Ambitionen des Zaren im Kaukasus werden sollte. Hier sind die Ursprünge der bis heute andauernden russisch-tschetschenischen Kriege zu suchen.

Der erste Abschnitt der Kriegsgeschichte fällt auf das aus­gehende 18. Jahrhundert. Sieben Jahre lang, von 1785 bis 1791, führte die Streitmacht der verbündeten nordkaukasischen Völker unter Führung des tschetschenischen Scheichs Mansur zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer einen Befreiungskampf gegen das russische Imperium, dem es in dieser Region nicht nur um Landnahme, sondern ebenso um hand­feste ökonomische Interessen ging. 1785 hatte Russland im Kaukasus ein ganzes System von Grenzbefestigungen - die so genannte „Kaukasuslinie“ vom Kaspischen bis zum Schwar­zen Meer - errichtet und begann nun, sich die fruchtbaren Ländereien der Gebirgsregion anzueignen und Zolle auf die über tschetschenisches Gebiet transportierten Waren zu er­heben.

Die Situation im heutigen Tschetschenien lässt sich nicht verstehen ohne einen Exkurs zu Scheich Mansur. Mit ihm verbindet sich eine besonders exponierte Seite der tschetsche­nischen Geschichte, Mansur ist einer der beiden National­helden der Tschetschenen. Seinen Namen, sein geistiges Vermächtnis nutzte General Dschochar Dudajew 1991 zur Durchsetzung der „tschetschenischen Revolution“, die ihn an die Macht führte und in der Ausrufung eines von Moskau un­abhängigen Tschetschenien gipfelte. Was wiederum die blutigen, von mittelalterlicher Grausamkeit geprägten russisch-tschetschenischen Kriege unserer Tage heraufbeschwor.

Nach Berichten von Zeitgenossen sah Scheich Mansur seine Lebensinhalt im Kampf gegen die Ungläubigen und der Vereinigung der nordkaukasischen Bergvölker gegen das Zarenreich. Er verfolgte dieses Ziel mit unbeirrbarer Leidenschaft bis zu seiner Gefangennahme im Jahre 1791 und der anschließenden Verbannung in ein Kloster auf den Solowezki-Inseln wo er später auch starb. Anfang der neunziger Jahre des 20 Jahrhunderts machte in der aufgewühlten, aus dem gewohn­ten Lebensrhythmus gerissenen tschetschenischen Bevölke­rung ein Ausspruch Scheich Mansurs die Runde, ging bei zahllosen Meetings und Versammlungen von Mund zu Mund: „Zum Ruhme Gottes erscheine ich abermals in der Welt wenn der Rechtgläubigkeit Gefahr und Unheil drohen. Wer mir folgt, wird gerettet werden, wer mir nicht folgt, gegen den kehre ich die Waffe, mit der mich der Prophet rüstet.“ In den frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts „rüstete der Prophet“ General Dudajew.

Der zweite tschetschenische Nationalheld, dessen Namen sich die „tschetschenische Revolution“ des Jahres 1991 auf die Fahnen schrieb, war Imam Schamil (1797-1871), der Führer der nächsten, nunmehr bereits im 19. Jahrhundert liegenden Abschnitts der Kaukasus-Kriege. Imam Schamil betrachtete Scheich Mansur als seinen Lehrer, General Dudajew reklamierte großzügig für sich, in der geistigen Nachfolge beider Nationalhelden zu stehen. Ein treffsicheres Kalkül, wusste er doch, dass Mansur wie Schamil gerade deshalb unanfechtbare Autorität bei den Tschetschenen genießen, weil sie für die Freiheit und Unabhängigkeit des Kaukasus von Russland einstanden. Dieses Faktum ist von prinzipieller Bedeutung für das Verständnis der tschetschenischen Nationalpsychologie, die - Generation um Generation - Heimsuchungen und Nöte immer wieder mit Russland in Verbindung bringt. Dabei sind Scheich Mansur und Imam Schamil beileibe keine dekorativen Figuren aus der Mottenkiste der Geschichte, sondern werden bis heute selbst von tschetschenischen Jugendlichen als nationale Helden verehrt, in Liedern besungen. Das allerneueste dieser Lieder hörte ich in Tschetschenien und Inguschetien im April 2002, wo es aus allen Autos, aus jedem Ver­kaufskiosk schallte.

Warum hinterließ Imam Schamil eine so bleibende Spur im Gedächtnis der Tschetschenen?

1813 hatte das Zarenreich endgültig in Transkaukasien Fuß gefasst und den Nordkaukasus zum Hinterland des Russi­schen Imperiums gemacht. 1816 ernannte der Zar mit General Alexej Jermolow einen Mann zum kaukasischen Statthalter, der in den Jahren seiner Amtszeit eine gnadenlose Kolonisierungspolitik verfolgte und sich dazu unter anderem der Etablierung des Kosakentums bediente. Allein im Jahr 1829 wurden mehr als 16 000 Bauern aus den Gouvernements Tschernigow und Poltawa nach Tschetschenien umgesiedelt. Jermolows Kriege vernichteten die tschetschenischen Aule mitsamt ihren Bewohnern, zerstörten Wälder und Saaten, zwangen die Überlebenden, in die Berge zu fliehen. Jede Wi­dersetzlichkeit der angestammten Bevölkerung löste Straf­aktionen aus. Eindrucksvolle literarische Zeugnisse dieser Zeit liefern die Werke Michail Lermontows und Lew Tolstois, die beide als Offiziere der Zarenarmee im Nordkaukasus kämpften. 1818 entstand als Bollwerk der Abschreckung die Festung Grosnaja, die Bedrohliche, aus der die heutige Stadt Grosny hervorging.

Jermolows Repressionen beantworteten die Tschetschenen mit Aufständen. Um sie niederzuwerfen, begann 1818 der ers­te Kaukasische Krieg, der - mit einigen Unterbrechungen -vierzig Jahre dauerte. 1834 wurde Schamil zum Imam ausge­rufen. Unter seiner Führung begann ein Partisanenkrieg, in dem die Tschetschenen aufopferungsvoll kämpften. Der Militärhistoriker Rostislaw Fadejew schrieb Ende des 19. Jahrhun­derts: „Die Gebirgsarmee, die das russische Militärwesen um viele neue Aspekte bereicherte, war ein Phänomen von ganz und gar außergewöhnlicher Schlagkraft. Es handelte sich da­bei um die stärkste Volksarmee, mit der sich der Zarismus je konfrontiert sah. Weder die Schweizer Eidgenossen, noch die Algerier noch die Sikhs in Indien erreichten eine derartige Vollendung in der Militärkunst wie die Tschetschenen und Dagestaner.“

1840 brach ein allgemeiner tschetschenischer Volksauf­stand aus. Beflügelt von seinem Erfolg, versuchten die Tschet­schenen erstmals, einen eigenen Staat zu gründen: das theokratische Schamil – Imamat. Doch Russland setzte seine Un­terwerfungsversuche mit wachsender Brutalität fort. „Unser Vorgehen im Kaukasus erinnert mich an alles Unheil der Erst­eroberung Amerikas durch die Spanier“, schrieb 1841 General Nikolai Rajewski der Ältere. „Möge Gott verhüten, dass die Eroberung des Kaukasus in der russischen Geschichte die Blutspur der spanischen hinterlässt.“ 1859 unterlagen die Gebirgskrieger, Imam Schamil geriet in Gefangenschaft. Tschet­schenien wurde ausgeplündert und zerstört, widersetzte sich jedoch noch zwei Jahre lang erbittert dem Anschluss an Russ­land.

1861 erklärte die Zarenregierung den Kaukasus für end­gültig befriedet. Mit dem Vollzug der territorialen Auswei­tung verlor die „Kaukasus-Linie“ zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer ihre Funktion als Vorposten des russischen Expansionsbestrebens und wurde aufgegeben. Der Kaukasus-Krieg des 19. Jahrhunderts forderte auf beiden Seiten mehrere hunderttausend Opfer, in Tschetschenien geht man heute da­von aus, dass ein Drittel des tschetschenischen Volkes ausge­löscht wurde. Nach Kriegsende zwang das Zarenreich die übrig gebliebenen Tschetschenen, die fruchtbaren Nordkaukasus-Regionen zu verlassen, und siedelte dort stattdessen massiv Kosaken, Soldaten und Bauern aus den zentralrus­sischen Gouvernements an. Die Regierung veranlasste die Bildung einer speziellen Kommission, die aussiedlungswilli­gen Tschetschenen finanzielle Zuwendungen zahlte und für ihren Abtransport sorgte. Zwischen 1861 und 1865 gelang­ten so nach Angaben tschetschenischer Historiker annähernd 50 000 Tschetschenen in die Türkei, offizielle Statistiken sprechen von 23 000 Übersiedlern.

Gleichzeitig entstanden innerhalb von nur drei Jahren, zwischen 1861 und 1863, in den angeschlossenen tschetsche­nischen Gebieten 113 Kosakensiedlungen, so genannte Stanizen, für 13 850 Kosakenfamilien.

Seit 1893 wurde in Grosny in großem Stil Erdöl gefördert. Das brachte ausländische Banken und Geldgeber nach Tschetsche­nien, ließ große Firmen entstehen. Industrie und Handel nah­men eine stürmische Entwicklung, die alten Wunden zwi­schen Russen und Tschetschenen begannen zu heilen. Um die Jahrhundertwende waren die Tschetschenen bereits Teilneh­mer neuer Kriege - nunmehr auf Seiten des vormaligen Erobe­rers Russland. Eine Vielzahl historischer Quellen belegt den Mut, die Opferbereitschaft und Todesverachtung der tschetschenischen Soldaten, ihre Fähigkeit, Schmerz und Entbeh­rungen zu ertragen. Berühmtheit erlangte im Ersten Weltkrieg die aus einem tschetschenischen und einem dagestanischen Regiment bestehende „Wilde Division“. „Sie ziehen in den Kampf wie zu einem Fest, und feierlich sterben sie auch ...“, schrieb ein Zeitgenosse. Während des russischen Bürgerkrie­ges unterstützte die Mehrheit der Tschetschenen dennoch nicht die Weiße Garde, sondern die roten Bolschewiki, aus der Überzeugung heraus, dies sei ein Kampf gegen das Impe­rium. Heute, nach einem Jahrzehnt neuerlicher russisch­-tschetschenischer Kriege, haben selbst diejenigen die Liebe zu Russland verloren, die sie einmal besaßen. Und trotzdem bietet sich in Tschetschenien vielerorts das gleiche Bild, wie ich es im März 2002 in der Siedlung Zozan-Jurt sah: Allenthalben zerstörte Häuser, Spuren der Verwüstung und des Leids, aber das Denkmal für die mehreren hundert Männer des Ortes, die 1919 im Kampf gegen die weißgardistische Armee General Denikins fielen, ist- nach mehrfachem Beschuss - instand gesetzt und vorbildlich gepflegt.

Im Januar 1921 erfolgte die Gründung einer Sowjetischen Bergrepublik (russisch: Gorskaja Sowjetskaja Respublika), der auch Tschetschenien beitrat, unter der Bedingung, dass die vom Zarenreich annektierten Gebiete wieder den Tschet­schenen zufallen, das Schariat und die Adaten - die uralten Regeln des tschetschenischen Gemeinschaftslebens - offiziell anerkannt werden sollten. Doch die Sowjetische Bergrepublik existierte nur drei Jahre, nach ihrer Auflösung wurde das Ge­biet Tschetschenien im November 1922 in eine eigenständige administrative Einheit überführt und 1936 mit Inguschetien zur Tschetscheno-Inguschetischen Autonomen Sowjetrepu­blik zusammengeschlossen. Hauptstadt war das Erdölzen­trum Grosny.

In den zwanziger Jahren setzte in Tschetschenien eine spürbare Entwicklung ein. 1925 erschien die erste tschetsche­nische Zeitung, 1928 ging die erste Rundfunkstation auf Sen­dung; nach und nach wurde das Analphabetentum beseitigt, in Grosny entstanden zwei pädagogische Fachschulen und zwei Erdöl-Fachschulen, 1931 gab es in der Hauptstadt bereits ein eigenes nationales Theater.

In dieser Zeit begann aber auch ein neuer, roter Staatster­ror. Die erste Welle forderte 35 000 Opfer, vor allem aus den angesehenen Bevölkerungsschichten der Mullahs und wohl­habenden Bauern. Eine zweite Terrorwelle verschlang 3000 Vertreter der gerade entstandenen tschetschenischen Intelligenzija. In der Nacht vom 31. Juli auf den i. August 1937 erfolgte die Verhaftung von weiteren 14000 Tschetschenen, die sich durch Bildung oder soziale Aktivität von der Masse abho­ben. Ein Teil von ihnen wurde sofort erschossen, die anderen kamen in Lagern um. Die Verhaftungen hielten bis zum No­vember 1938 an. In Tschetschenien geht man davon aus, dass das Jahrzehnt der Repressionen zwischen 1928 und 1938 mehr als 250 000 Menschen das Leben kostete.

Im Großen Vaterländischen Krieg kämpften 29 000 Tschetschenen, darunter viele, die sich freiwillig an die Front gemeldet hatten. Für 130 tschetschenische Soldaten und Offi­ziere lagen Gesuche auf Auszeichnung als „Held der Sowjet­union“ vor, jedoch bekamen nur ganze acht von ihnen den Orden auch tatsächlich, den obersten „Ordensverleihern“ in Moskau passte wohl die Nationalität nicht.

An einem einzigen Tag, dem 23. Februar 1944, wurden mehr als 300 000 Tschetschenen und 93 000 Inguschen in Viehwaggons nach Mittelasien deportiert, wo 180 000 von ihnen starben. Dreizehn Jahre lang war die tschetschenische Sprache verboten. Erst 1957, nach dem Ende des Stalin-Kults, durften die Überlebenden zurückkehren, erlebte die Tschetscheno-Inguschetische Autonome Sowjetrepublik eine Neu­auflage. Jeder dritte heute lebende Tschetschene hat die Zwangsaussiedlung erlebt. Das schwere Trauma der Deporta­tion ist auch jetzt noch spürbar in der panischen Furcht der tschetschenischen Bevölkerung vor einer Wiederholung, ih­rer Neigung, hinter allem „die Hand des KGB“ aufspüren und Anzeichen für eine neuerliche Vertreibung erkennen zu wol­len.

Heute hört man von vielen Tschetschenen, die beste Zeit seien die sechziger und siebziger Jahre gewesen, auch wenn sie damals weiterhin als Nation von „Unzuverlässigen“ galten und einer gewaltsamen, aggressiven Russifizierung ausge­setzt waren. Überall wurde gebaut, Tschetschenien entwi­ckelte sich wieder zu einem Industriezentrum, Tausende erhielten eine solide Ausbildung. Grosny war die schönste Stadt des Nordkaukasus mit mehreren Theatern, einer Philharmo­nie, einer Universität, dem in der gesamten Sowjetunion bekannten Erdölinstitut und ... kosmopolitischer Prägung. Hier lebten Vertreter unterschiedlichster Nationalitäten konflikt­frei nebeneinander. Diese starke multikulturelle Tradition wi­derstand selbst den Belastungen des ersten Tschetschenien-Krieges und konnte sich bis heute erhalten. So nahmen die meisten Bewohner von Grosny beispielsweise den Exodus der russischsprachigen Bevölkerung nach der „tschetschenischen Revolution“ des Jahres 1991 als Verlust auf.

Gorbatschows Perestroika und mehr noch der Zerfall des Sowjetreiches ließen Tschetschenien aufs Neue zu einer Arena politischer Auseinandersetzungen und Provokatio­nen werden. Im November 1990 rief der Volkskongress der Tschetschenen die Unabhängigkeit der Republik aus und ver­abschiedete eine Erklärung über ihre staatliche Souveränität, wobei sicher die Überzeugung eine Rolle spielte, dass eine Republik, die jährlich vier Millionen Tonnen Erdöl fördert, sehr wohl ohne das Moskauer Zentrum überleben kann. Auf der politischen Bühne erschien ein nationaler Führer radika­len Einschlags: Generalmajor der Luftstreitkräfte der UdSSR Dschochar Dudajew, der sich auf dem Höhepunkt der all­gemeinen Unabhängigkeitsbestrebungen im ehemaligen Herrschaftsbereich der Sowjetunion an die Spitze der neuen nationalen Befreiungsbewegung in Tschetschenien und der „tschetschenischen Revolution“ stellte. Nach einem Putsch der alten tschetschenischen kommunistischen Nomenklatura wurde im August-September 1991 der Oberste Sowjet der Re­publik aufgelöst, die Macht ging auf außerkonstitutionelle Organe über, die Neuwahlen ansetzten und einer Loslösung Tschetscheniens von der Russischen Föderation das Wort re­deten. Es begann eine aktive „Tschetschenisierung“ sämtlicher Lebensbereiche, die die massenhafte Flucht der russischsprachigen Bevölkerungsteile nach sich zog. Am 27. Oktober 1991 wurde Dschochar Dudajew zum ersten Präsidenten der Republik gewählt. Sein erklärtes Ziel war nunmehr die völlige Abspaltung Tschetscheniens von der Föderation und die tschetschenische Eigenstaatlichkeit als einzige Garantie dafür, dass sich die Republik vor neuerlichen kolonialen Ambitio­nen des Russischen Reiches sicher wissen konnte.

Die Revolution von 1991 verdrängte in Grosny praktisch die dünne Schicht der tschetschenischen Intelligenzija, an ihre Stelle traten bisherige gesellschaftliche Randfiguren, die eine härtere Gangart, radikalere Positionen und durchgreifenderes Handeln in die Politik einbrachten. Die ökonomische Führung fiel an Menschen, die nicht wussten, wie man eine Wirtschaft leitet. Die Republik war wie im Fieber, übte sich in endlosen Meetings und Demonstrationen, während das tschetschenische Erdöl still und heimlich in unbekannte Richtung abfloss. Als Folge dieser Ereignisse begann im November-Dezember [1994 der erste Tschetschenien-Krieg. In blutigen Gefechten leisteten tschetschenische bewaffnete Formationen erbitterten Widerstand. Der Sturm auf Grosny dauerte vier Monate, Luftstreitkräfte und Artillerieeinheiten legten ein Stadtviertel nach dem anderen in Schutt und Asche, töteten die Zivilbevölkerung. Der Krieg weitete sich auf ganz Tschetschenien aus.

1996 betrug die Zahl der Opfer auf beiden Seiten bereits [mehr als 200000. Der Irrtum des Kreml sollte sich als tragisch erweisen: Moskau hatte versucht, die Interessen der verschiedenen Clane und Tejps gegeneinander auszuspielen, produzierte aber stattdessen eine Konsolidierung der tschetschenischen Gesellschaft und einen beispiellosen Aufschwung des nationalen Bewusstseins. Im Sommer 1996 führten die Bemühungen des (2002 bei einem Flugzeugabsturz ums Le­ben gekommenen) damaligen Sekretärs des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, General Alexander Lebed, zur Be­endigung des sinnlosen Blutvergießens. Im August des gleichen Jahres wurde der Friedensvertrag von Chassawjurt geschlossen. Er umfasste eine politische Deklaration, die so genannte „Chassawjurter Erklärung“, und ein Dokument über die „Prinzipien für die Bestimmung der Grundlagen der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Russischen Födera­tion und der Tschetschenischen Republik“, das für die nächs­ten fünf Jahre einen Zustand des Nicht-Krieges festschrieb. Der Friedensvertrag von Chassawjurt trug die Unterschriften von General Lebed und Aslan Maschadow, Stabschef der Kräfte des tschetschenischen Widerstands. Präsident Dschochar Dudajew war zur Zeit des Vertragsabschlusses bereits tot, eine Zielsuchrakete traf ihn, als er gerade über Satelliten­funk telefonierte.

Der Chassawjurter Vertrag setzte einen Schlusspunkt unter den ersten Tschetschenien-Krieg, schuf zugleich aber auch Konfliktstoff für den zweiten. Die Föderationsstreitkräfte fühlten sich „von Chassawjurt“ beleidigt und gedemütigt, hatten ihnen die Politiker damit doch die Möglichkeit genom­men, „die Sache zu Ende zu führen“. Hieraus erklärt sich un­ter anderem die in ihrer Brutalität beispiellose Revanche der russischen Militärs während des zweiten tschetschenischen Waffengangs, ihre geradezu mittelalterliche Grausamkeit nicht nur gegenüber den Rebellen, sondern auch im Umgang mit der Zivilbevölkerung.

Am 27. Januar 1997 fanden unter Aufsicht internationaler Beobachter in Tschetschenien zum zweiten Mal Präsident­schaftswahlen statt, aus denen der ehemalige Oberst der Sow­jetarmee und Mitstreiter Dschochar Dudajews im ersten tschetschenischen Krieg, Aslan Maschadow, als Sieger her­vorgeht. Am 12. Mai 1997 unterzeichneten die Präsidenten der Russischen Föderation und der nunmehr proklamierten Republik Itschkerija, Boris Jelzin und Aslan Maschadow, einen „Vertrag über Frieden und die Prinzipien friedlicher bilatera­ler Beziehungen“, der heute vollständig in Vergessenheit ge­raten ist. Die Herrschaft in Tschetschenien mit seinem - wie es der Vertrag von Chasssawjurt nennt – „aufgeschobenen po­litischen Status“ übernahmen jetzt die während des ersten tschetschenischen Krieges in Führungspositionen aufgerück­ten Feldkommandeure, denen es gewiss nicht an Mut, wohl aber zumeist an Bildung und Kultur mangelte.

Die Zeit zeigte, dass sich diese militärischen Führer nicht zu einer politischen und ökonomischen Elite qualifizieren konnten. Im Dunstkreis der Macht begann ein beispielloses Hauen und Stechen, das Tschetschenien im Sommer 1998 an den Rand eines Bürgerkriegs brachte. Die Widersprüche zwi­schen Aslan Maschadow und seinen Gegnern spitzten sich zu, am 23. Juni 1998 wurde ein Attentat auf Maschadow ver­übt, im September des gleichen Jahres forderten die Feldkom­mandeure unter Leitung von Schamil Bassajew - damals Pre­mierminister Itschkerijas - den Rücktritt des Präsidenten. Der führte im Januar 1999 die Schariats-Rechtsprechung ein und praktizierte öffentliche Hinrichtungen, doch auch damit ließen sich die unbotmäßigen Feldkommandeure nicht mehr disziplinieren, die Spaltungstendenzen nicht überwinden. Tschetschenien verarmte zusehends, es wurden keine Löhne und Renten mehr gezahlt, der Schulunterricht fand, wenn überhaupt, nur noch unregelmäßig statt, vielerorts konnten die „Bärtigen“ - radikal-islamistische Wahhabiten - zügellos ihre Lebensregeln diktieren, Geiselnahmen entwickelten sich zu einem lukrativen Geschäft, die Republik wurde Tummel­platz der russischen Unterwelt - und Präsident Maschadow war machtlos dagegen.

Im Sommer 1999 unternahmen Einheiten der Feldkomman­deure Schamil Bassajew und Ibn al-Chattab einen Vorstoß auf Dagestan. Bassajew hatte sich zuvor bereits hervorgetan als Anführer des Terrorakts von Budjonowsk, bei dem ein Kran­kenhaus und ein Entbindungsheim besetzt wurden; Chattab war ein Araber aus Saudi-Arabien, der später, im März 2002, in seinem Feldlager in den tschetschenischen Bergen starb. Diese beiden Kommandeure marschierten im Juli 1999 mit ih­ren Kämpfern in die dagestanischen Gebirgssiedlungen Botlich, Rachata, Ansalta und Sondak sowie die in einer Talebe­ne gelegenen Ortschaften Tschabanmachi und Karamachi ein. Russland musste etwas unternehmen, doch im Kreml herrschte Uneinigkeit. Folge des Vorstoßes der tschetscheni­schen Freischärler nach Dagestan war ein Führungswech­sel an der Spitze der russischen Machtstrukturen; FSB-Chef Wladimir Putin wurde zum Nachfolger des immer hand­lungsunfähiger werdenden Präsidenten Boris Jelzin gekürt und zum Premierminister ernannt, was vor dem Hintergrund der Tatsache zu sehen ist, dass er im September, nach blutigen Sprengstoffanschlägen auf Wohnblocks in Moskau, Buinaksk und Wolgodonsk, den Befehl zu einer »Antiterror-Operation im Nordkaukasus« gab und damit den zweiten Tschetsche­nien-Krieg absegnete.

Putin benutzte den Krieg, um für sich das Image der „ei­sernen Faust“ im Kampf gegen die Feinde Russlands zu kreie­ren. Das verhalf ihm am 26. März 2000 zum Sieg bei den Prä­sidentschaftswahlen. Nach seinem Amtsantritt als Präsident der Russischen Föderation ließ er den Feldzug allerdings wei­tergehen, obwohl er mehrfach reale Chancen zu seiner Been­digung gehabt hätte. Mit der Folge, dass erneut - auch wenn wir nunmehr das 21. Jahrhundert schreiben - ein Krieg Russ­lands im Kaukasus chronischen Charakter annimmt, weil er zu vielen Vorteile bringt: Erstens den oberen Chargen der be­waffneten Kräfte, die im Kaukasus glänzende Karrieren ma­chen, Orden, Ehrentitel und Ränge einheimsen können und ergo kein Interesse daran haben, diesen „Futtertrog“ zu verlieren. Zweitens den mittleren und unteren militärischen Dienstgraden, denen der Krieg mit seinem „von oben erlaub­ten“ flächendeckenden Marodeursunwesen und der massen­haften Ausplünderung der Zivilbevölkerung verlässliche Ein­künfte beschert. Drittens beiden zusammengenommen, weil ihnen der Krieg Zugang verschafft zum illegalen Erdölge­schäft in Tschetschenien, das mit der Zeit unter gemein­schaftliche tschetschenisch-russische Kontrolle geraten, im Grunde zu staatlich sanktioniertem - von den Föderations­kräften gedecktem und gesichertem - Banditentum geworden ist. Viertens der so genannten „neuen tschetschenischen Macht“, den Verwaltern von Moskaus Gnaden, die sich dreist aus den Budgetmitteln für den Wiederaufbau Tschetsche­niens und die Entwicklung seiner Wirtschaft bedienen. Und fünftens schließlich dem Kreml. Seinerzeit als reines PR-Mittel für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen begonnen, liefert dieser Krieg nun ein probates Mittel, um die Realität außerhalb des Kriegsgebiets zu übertünchen oder die Öffent­lichkeit vom Nachdenken über die ungünstige wirtschaftliche und politische Entwicklung abzulenken.

Heute hat der Kreml die rettende Idee, Russland gegen den „internationalen Terrorismus“ in Gestalt der tschetsche­nischen Terroristen verteidigen zu müssen, auf seine Staats­flagge geschrieben und präsentiert sie unablässig, wenn es darum geht, die öffentliche Meinung nach Gutdünken zu ma­nipulieren. „Anschläge tschetschenischer Separatisten“ im Nordkaukasus erfolgen in schöner Regelmäßigkeit genau dann, wenn sich in Moskau wieder einmal ein politischer Skandal anbahnt oder eine Korruptionsaffäre publik zu wer­den droht.

Bliebe noch hinzuzufügen, dass drei Jahre nach Beginn des zweiten tschetschenischen Krieges, der erneut auf beiden Seiten Abertausende Menschenleben forderte, niemand exakt sagen kann, wie viel Tschetschenen heute in Tschetschenien und außerhalb seiner Grenzen leben. Die Zahlen, mit denen verschiedene Historiker operieren, differieren in einer Grö­ßenordnung von mehreren hunderttausend. Die russische Seite untertreibt die Verluste und das Ausmaß des Exodus, die tschetschenische Seite übertreibt sie. Deshalb bleibt als einzige objektive Quelle die letzte Volkszählung der UdSSR aus dem Jahr 1989. Damals wurden ungefähr eine Million Tschetschenen registriert. Daneben existieren Diasporas in der Türkei, in Jordanien, Syrien sowie einigen europäischen Län­dern. Diese Exiltschetschenen sind vornehmlich Nachkom­men von Migranten aus der Zeit des zaristischen Kaukasus-Feldzugs im 19. Jahrhundert und des russischen Bürgerkriegs zwischen 1917 und 1920. Somit ergab sich eine Gesamtzahl von wenig mehr als einer Million. Im ersten Tschetschenien-Krieg 1994-1996 kamen ungefähr 120 000 Tschetschenen ums Leben. Wie viel Menschen in dem von 1999 bis heute andau­ernden zweiten tschetschenischen Krieg starben, ist nicht be­kannt. Der durch beide Kriege verursachte Exodus muss zu einem deutlichen Wachstum der Auslandsdiasporas geführt haben, jedoch liegen auch hier - vor allem aufgrund der Versprengtheit dieser Gemeinden - keine genauen Zahlen vor. Meine eigenen Berechnungen gründen auf ständigen Kontak­ten, die ich seit Beginn des zweiten Tschetschenien-Krieges mit den Verwaltungschefs verschiedenster Kreise und Sied­lungen unterhalte, und gehen davon aus, dass Tschetschenien heute noch 500 000 bis 600 000 Einwohner hat.

Zahlreiche Ortschaften leben, sprich: überleben autonom, hoffen nicht mehr auf eine Unterstützung von außen, weder aus Grosny, von der »neuen tschetschenischen Macht«, noch aus den Bergen, von Maschadows Gefolgsleuten. Dafür erlangen die traditionellen Grundfesten des tschetschenischen Gemeinschaftslebens - die Tejps - wieder größeres Gewicht. Diese Tejps als Sippenverbände oder „große Familien“ orientieren sich nicht in jedem Fall allein an der Blutsverwandt­schaft, sondern können auch nach dem Merkmal der Nachbarschaftlichkeit, also der Herkunft aus dem gleichen Ort, der gleichen Gegend organisiert sein. Ursprünglich lag der Sinn dieser sozialen Kernzellen in der gemeinsamen Verteidigung des Lebensraums, heute sichern sie das physische Überleben. Die Tschetschenen selbst gehen von gegenwärtig mehr als 150 Tejps aus, die sehr groß sein können, wie etwa der Benoi-Tejp, zu dem annähernd 100.000 Tschetschenen (darunter der bekannte tschetschenische Unternehmer Malik Saidulajew, aber auch Baisangur, ein Held des bewaffneten Widerstands gegen das Zarenreich) gehören. Beträchtliche Ausdehnung besitzen ebenfalls der Belgatoi-Tejp und der Gendargenoi-Tejp, dem zahlreiche Parteifunktionäre Sowjet-Tschetscheniens entstammten. Kleiner sind hingegen vor­nehmlich Bergsiedlungen umfassende Tejps wie der Turkchoi-, der Mulkoi- oder der Sadoi-Tejp. Einige dieser Forma­tionen spielen heute auch eine politische Rolle, viele bewiesen ihre gesellschaftliche Überlebens- und Handlungsfähigkeit nicht nur in den Kriegen des letzten Jahrzehnts, sondern ebenso in der kurzen Zwischenkriegszeit, als die Republik Itschkerija existierte und das nunmehr geltende Schariat ge­meinschaftlichen Strukturen wie den Tejps die Daseinsbe­rechtigung absprach. Wem die Zukunft gehört, bleibt abzu­warten.

© Anna Politkovskaja „Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg“.
S.:314-329. Erscheinungsjahr 2003, „DuMont“– Literatur und Kunst Verlag, Köln
оценка:
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мнений: 40
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1Бибулат (16 августа 2007 21:17)
grozny, danke sehr.
Fuer unsere deutschsprachige Leser wird das bestimmt interessant.


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+1
2ч1епалг (16 августа 2007 21:38)
An einem einzigen Tag, dem 23. Februar 1944, wurden mehr als 300 000 Tschetschenen und 93 000 Inguschen in Viehwaggons nach Mittelasien deportiert, wo 180 000 von ihnen starben. Dreizehn Jahre lang war die tschetschenische Sprache verboten.


nie davon gehoert.

[wurde geloescht!]


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+1
3Timurr (16 августа 2007 23:03)
Перевел бы feel


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+
4Маршо (16 августа 2007 23:40)
Цитата: Timurr
Перевел бы



Дискриминация...)


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5Hoxcho (17 августа 2007 00:03)
Читал уже на жайне fellow


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+
6dodik (17 августа 2007 00:12)
[dodik удалил свой комментарий]
+
7Ваха® (17 августа 2007 01:21)
Цитата: dodik
мы свами не умеем примазывать сюда гов... и жаль. Хочешь победить козла, выучи козлятину.

dodik, научись изъясняться так, чтобы твои сообщения не было неприятно читать.

еже ли считаешь замечание необоснованным >>жми сюда<<
+
8Doshgovza (17 августа 2007 02:03)
>>жми сюда<<


is it auto-ban?

вставлять целую статью на иностранном языке, да еще без перевода, считаю некорректным


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9Чебурашка (17 августа 2007 02:28)
Перевезти не трудно,но только если Немецкоговорящая местная группа мне поможет,разбить текст на части и перевести,деёствительно интресные факты даны в статье,Чепалг их аух )))


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10Бибулат (17 августа 2007 02:56)
Цитата: Doshgovza
на иностранном языке

— Думаю, что это есть продолжение интернационализации Тептара.
— Среди здесь присутствующих есть много нахов (и не только нахов), владеющих немецким.
— Лично я дал эту ссылку 4-ем немцам, которым небезразлична Чечня.

Цитата: Чебурашка
Перевезти не трудно

всё нет смысла переводить.
какие-то отдельные тезисы может быть.
а проще на русском поискать — это же Политковская писала!


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11Чебурашка (17 августа 2007 03:08)
Цитата: Бибулат
которым небезразлична Чечня.

Среди немцев всё большн и большн встречаються таких


Цитата: Бибулат
какие-то отдельные тезисы может быть.

тоже вариант

Цитата: Бибулат
проще на русском поискать — это же Политковская писала!

не каждому охота рыться в поисковике,хмм Политковская? а мне начало текста напомнило школьноё сочинение,но например 7 клашки))

сорри за ошибки пишу только под подсветку монитора)) с моим то зрением))


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12Ингушский интеллигент (17 августа 2007 03:13)
Цитата: Чебурашка
напомнило школьноё сочинение,но например 7 клашки))

вовсе неуместная ирония в адрес общепризнанного мастера пера, тем более трагически убиенного.
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13Маршо (17 августа 2007 03:19)
Цитата: Doshgovza
вставлять целую статью на иностранном языке, да еще без перевода, считаю некорректным


так оно и есть...

Цитата: Бибулат
— Думаю, что это есть продолжение интернационализации Тептара.


Это преложение некоректно... сайт должен быть на том языке, которым вледеют все нахи..


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14Бибулат (17 августа 2007 03:50)
Цитата: Маршо
сайт должен быть на том языке, которым вледеют все нахи

— мой брат живет в Бельгии. свободно владеет чеченским и нидерландским. хорошо знает английский, учит французский. ему чуть больше 10-ти лет. русский забыл почти полностью.
— так же, Маршо, не мне тебе напоминать про десятки тысяч нахов в арабских странах и Турции, их предки и не знали может русского.
— вообще я несколько удивлен постановкой вопроса.


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15Чебурашка (17 августа 2007 11:31)
Цитата: Ингушская интеллигенция
вовсе неуместная ирония в адрес общепризнанного мастера пера, тем более трагически убиенного.

это была не ирония,а высказыания мысли вслух....может такоё мнение просто сложилось иза перевода..

Бибулат,большинство чеченских детей в Европе,знают более 3х языков,но при том малоё количество знает русский,но хоть родной не забывают! но всё же так как всеучебные заведения находяться всё таки в стране где признан русский язык,и нам когда то с Европы придёться возвращаться,считаю не правельным не обучать русскому языку наше поколение,да даже так- "Язык врага знато то тоже надо"...


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16Schutzengel (17 августа 2007 15:31)
Ich verstehe das nichts, haben Sie diese ''kurzer historischer Abriss'' im russishe sprahe?
winked Ili kak eto pravel'ney pishetca=))


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17grozny (17 августа 2007 17:46)
Цитата: Doshgovza
вставлять целую статью на иностранном языке, да еще без перевода, считаю некорректным


не спеши с выводами, Дошговза.
эта глава из книги адресована в первую очередь нашим немецким друзьям.

Цитата: Бибулат
а проще на русском поискать — это же Политковская писала!


на сколько я знаю в русской версии нет этого приложения. издательство решило, видимо, ознакомить читателей с чеч.историей.
если кому интересно: http://www.translate.ru/srvurl.asp?lang=ru

вставьте адрес сайта и выберите нем-рус. перевод.

качество пер. плохое, но понять можно
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18ч1епалг (17 августа 2007 17:50)
Цитата: grozny
издательство решило, видимо, ознакомить читателей с чеч.историей.

а, вот в чем дело. я еще удивилась что автор Чечню с Тюрингией сравнивает, Анна вроде не знала настолько хоррошо немецкие земли.


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19grozny (17 августа 2007 18:03)
да, в этом всё дело.

кстати, для тех кто в Германии, интресная книга вышла: "Erzaehlungen aus Tschetschenien. Literatur aus dem Kaukasus"

отлично подходит для того, чтобы подарить интересующимся о ситуации у нас дома, да и самому почитать

к примеру, книгу Политковской не кому и не дашь: у неё во всех бедах амир Хаттаб (Дала гIазот къобал дойла цуьнан) да джамааты виноваты.

Короче, советую
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20Ваха® (17 августа 2007 19:54)
Относительная статистика посещений Тептара за последний отчетный период:

1) Russia — 34%
2) Germany — 16%
3) Norway — 9%

etc.


выводы очевидны.
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21Hoxcho (17 августа 2007 20:32)
Цитата: Ваха®
3) Norway — 9%

shila mox - активный участник тептар.ком bully


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22Маршо (17 августа 2007 23:15)
Цитата: Бибулат
— вообще я несколько удивлен постановкой вопроса.


тебе видней. Просто сайт бывает на одном каком-то языке, или параллельно работает на нескольких индивидуально.
Нахский в счет не идет, его мы применяем, когда хотим, где хотим и сколько хотим.


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23Doshgovza (18 августа 2007 02:42)
Цитата: Маршо
Просто сайт бывает на одном каком-то языке, или параллельно работает на нескольких


вот именно. а немецким друзьям всегда можно скинуть ссылку на оригинал публикации.

интернационализация - это хорошо, но даже свой текст должно подавать с переводом на язык доступный большинству участников (на сегодня это русский), а иначе зачем его вообще вставлять


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24Listva (18 августа 2007 08:08)
Относительная статистика посещений Тептара за последний отчетный период:

1) Russia — 34%
2) Germany — 16%
3) Norway — 9%
_______________
59%
А остальные откуда? Просто интересна география общения:)
Насчет статьи...За Тюрингию я тоже удивилась , г. Политковская конечно же писала очень откровенно и если честно, я так и не смогла понять некоторые её статьи .У ней есть такая публикация "Зонтик , собирающий капли" , про двух детей, она называет их русскими , но они русского не знают, только чеченский,живут в Катыр-Юрт , родились в то ли в Ингушетии ,то ли в Чечне...Их мама -полукровка ( отец чеченец - мать русская) , а отец -ингуш . Папа у них погиб, маму забрали , как потенциальную шахидку, после Норд-Оста...Так вот почему же она их называет РУССКИМИ, акцентируя в начале статьи именно эти слова...? Их родители погибли , защищая не пророссийские интересы...Коньюктура ? Или истинное убеждение?
Вот адрес этой статьи
http://www.viperson.ru/wind.php?ID=301849&soch=1

Как вы считаете, можно ли этих сирот назвать русскими детьми?


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25ч1епалг (18 августа 2007 09:19)
Цитата: Listva
А остальные откуда? Просто интересна география общения:)

4. Казахстан
5. Бельгия
6. Египет
7. Азербайджан
8. Франция
9. Швеция
10. Австрия

Цитата: Listva
Вот адрес этой статьи

прочла. будучи родом из этого села- никогда об этой семье не слышала.
но, действительно, дети эти уже даже если не полностью, но больше чеченцы, чем русские. Хотя бы потому что чеченство у них идет по отцовской линии, фамилия и место жительство.


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26grozny (20 августа 2007 16:54)
Цитата: Doshgovza
вот именно. а немецким друзьям всегда можно скинуть ссылку на оригинал публикации.

оригинал публикации на жайна.ком, т.е. опубл. лишь на тептаре и жайне

Цитата: Doshgovza
интернационализация - это хорошо, но даже свой текст должно подавать с переводом на язык доступный большинству участников (на сегодня это русский), а иначе зачем его вообще вставлять

еще раз повторяюсь, статья для немцев и нахов проживающих в гер; не знаю как будет выглядить тептар, но на жайне будут публиковаться (инша Аллах) книги и статьи по крайней мере на англ., фр., нем.

да и приведенная Вахой статистика посещения сайта говорит за себя

ларамца
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27Ваха® (20 августа 2007 17:54)
Цитата: grozny
не знаю как будет выглядить

я знаю — статьи на Тептаре, книги на Жайне.

Цитата: grozny
т.е. опубл. лишь на тептаре и жайне

уже только на Тептаре.
в библиотеке должны быть книги,
а статьи — в журнале.

Цитата: Маршо
параллельно работает на нескольких индивидуально.

вот это верный тезис.
но создавать всю архитектуру сайта, переводить интерфейсы Тептара, имея в закромах 2-3 иноязычных материала — несколько нелепо (вспомни сотни "чеченских форумов", с полностью размеченными темами, при этом пустых) — не наш метод.
Всё впереди, Дала мукълахь.
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28grozny (22 августа 2007 21:12)
Цитата: Ваха®
уже только на Тептаре.
в библиотеке должны быть книги,
а статьи — в журнале.

отлично! порядок должен быть

Цитата: Listva
про двух детей, она называет их русскими , но они русского не знают, только чеченский,живут в Катыр-Юрт , родились в то ли в Ингушетии ,то ли в Чечне...Их мама -полукровка ( отец чеченец - мать русская) , а отец -ингуш .


Цитата: Listva
Как вы считаете, можно ли этих сирот назвать русскими детьми?


саму статью я еще не читал, но если мать чеченка (раз её отец чеченец), а отец ингуш, что в этих детях русского?
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29ч1епалг (22 августа 2007 21:39)
кстати. спрашивала у мамы насчет этой семьи. они оказывается Мержо и я поняла, почему о них не слышала. Просто потому что их не зовут "оьрсийн доьзал" или еще как либо, это простая нахская семья (пусть и с русской женой) давно осевшая в селе и их воспринимают как своих. а о дочери валентина больше и не слышала, "как будто ее у меня никогда и не было."


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30Listva (22 августа 2007 22:09)
История Чечни канвой проходит через всю русскую классическую литературу ( Пушкин, Лермонтов,Толстой), что же связывает русский м чеченский народы - вековая ненависть и вражда?


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31ч1епалг (22 августа 2007 22:23)
Цитата: Listva
Думаю, что в Чечне пострадало и много русских детей, чьи родители славяне, война национальность не выбирает...


тут и думать не надо. пострадало и не мало. старики, женщины, дети. помните запись первых бомбежек и русский мальчик подбегающий к оператору "дяденька, я русский, помогите." ... мда.


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32maga (22 августа 2007 22:27)
Цитата: Listva
что же связывает русский м чеченский народы - вековая ненависть и вражда?

ничего не связывает, успокойтесь наконец, вот когда вас не станет, нас будут связывать приятные воспоминания.

недавно фтыкал в ящик 95-го субъекта, вобщем приплыл откуда-то в стельку бухой "коллектив самодеятельности" с рус. нар. песнями и плясками, коллективы с 95-го продемонстрировали якобы чеч. нар пляски, и вобщем поддатая рукодительница гостей грит мол как мне понравилось, чеченские танцы такие же темпераментные как и наши...
вспомнил сразу фразу азербота: уважаю чеченцев, они почти такие же дерзские как азербаджанцы....


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33Doshgovza (22 августа 2007 22:47)
Цитата: Listva
что же связывает русский м чеченский народы - вековая ненависть и вражда?


угу. она самая. вековая.


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34Listva (22 августа 2007 22:58)
Цитата: ~
ничего не связывает, успокойтесь наконец, вот когда вас не станет, нас будут связывать приятные воспоминания.


Лично я спокойна:) Россия должна оставить Чечню в покое и дать ей отделиться...


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35maga (22 августа 2007 23:14)
Цитата: Listva
Россия должна оставить Чечню в покое и дать ей отделиться...

хе хе, не так все просто, есть такой сайт syrtash.com вот там в разделе культура есть раздел юмор в котором есть карта европы в 2015 году, вот пока границы даймохка и россии не будут такими как там указаны мы бум упорно работать в этом направлении.


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36borz (22 августа 2007 23:57)
Цитата: ~
есть карта европы в 2015 году

её мона лицезреть тута
Цитата: ~
есть такой сайт syrtash.com

работал бы там поиск....мах бацар цун т1аккха дуй хьун
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37Ингушский интеллигент (22 августа 2007 23:58)
Цитата: borz
её мона лицезреть тута

тама вот что можно лицезреть:

Security Violation

The action you attempted is not permitted.
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38borz (23 августа 2007 00:23)
Цитата: Ингушская интеллигенция
тама вот что можно лицезреть:

брат-ингуш, попробуй ещё разок laughing
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39shila mox (2 сентября 2007 22:56)
Цитата: Ваха®
Norway — 9%

неужели все 9 % я? what
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40ч1епалг (2 сентября 2007 23:29)
Цитата: shila mox
неужели все 9 % я?


а даже если?) круто же. Из Норвегии посещают жители:
Oslo, Orkanger, Trondheim, Bergen, Egersund, Tromso, Bodo, Ulefoss etc.


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